Colette Victor “Der Tag, an dem die Hummer schwimmen lernten”

Ich mag es, in Buchläden herumzustöbern und kann nur schwer an einem vorübergehen, ohne einen Blick hineinzuwerfen. Ob ich nun ein bestimmtes Buch suche oder auch nicht. Es geht nicht anders. Es macht mich ganz neugierig zu sehen, welche Bücher in den Auslagen liegen oder welche es derzeit in die Bestsellerlisten geschafft haben. Besonders gern schaue ich mir aber die Wühltische – liebevoll auch Grabbeltische genannt – an, die häufig Mängelexemplare aus allen Genres beherbergen. Dort lasse ich mich gern von neuen Autoren und ausgefallenen Geschichten überraschen, wie auch von diesem herzerwärmenden Buch, das in Südafrika spielt und vom Schicksal, der Liebe und den kleinen Glücksmomenten im Leben handelt. Es bespricht außerdem die Konflikte der südafrikanischen Bevölkerung zwischen Schwarzen und Weißen und regt zum Nachdenken an.

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Einband

Wie ein kleiner Ort die große Liebe findet.

Es bringt den ganzen Ort in Aufruhr: ein Aquarium voller Hummer, das urplötzlich im Lebensmittelladen von Klippiesfontein, Südafrika, steht. Alle beäugen gebannt die faszinierenden Krustentiere. Dabei will der Ladenbesitzer Oom Marius eigentlich nur seine Angebetete beeindrucken, indem er die Haute Cuisine nach Klippiesfontein holt. Aber auch das Schicksal hält die ein oder andere Überraschung parat. Auf einmal steht der ganze Ort Kopf. Doch es gibt Hoffnung – und die hat mit viel Liebe und ein paar Hummern zu tun.

Verlag: btb Verlag, München, 1. Auflage, Deutsche Erstveröffentlichung (August 2016) | Seitenzahl: 318 | Originaltitel: What to do with lobsters in a place like Klippiesfontein

Meinung

Als ich das Buch “Der Tag, an dem die Hummer schwimmen lernen” in den Händen hielt, sprach mich zuallererst sein Titel sowie sein floral verziertes Cover in grün-lila Tönen an. Sogar ein gezeichneter, roter Hummer war darauf abgebildet. Auf dem Einband las ich dann, dass es in Südafrika spielt. Ich bin bisher leider nie dort gewesen, doch Bücher sind bekannt dafür, dass man mit ihnen in fremde Welten eintauchen kann. Sich verzaubern lassen kann von Völkerstämmen, Sprachen und Charakteren, denen man im eigenen Leben vielleicht nicht sehr oft begegnet. Ich war also neugierig und packte das Buch in meine Einkaufstasche. Das war eine gute Wahl!

Das Werk handelt von der kleinen Provinz Klippiesfontein, in dem ein weißer Gemischtwarenhändler namens Marius seinen Laden schließen muss, da seine Ehefrau an Krebs erkrankt ist und er sie zur Therapie in ein Krankenhaus in Kapstadt begleiten möchte. Für die Zeit seiner Abwesenheit überträgt er seinem seit über 20 Jahren für ihn arbeitenden Aushilfen Petrus alle wichtigen Aufgaben im Geschäft, damit er keinen finanziellen Verlust macht: dazu zählen Warenbestandsaufnahmen machen, Verfallsdaten verderblicher Lebensmittel kontrollieren, Geldgeschäfte mit den Kunden abwickeln, Bestellungen anmelden und später die Waren vom Lieferanten entgegennehmen, Wechselgeld zählen, alle Räumlichkeiten putzen und vieles mehr. Das einzige Problem an der ganzen Sache: Petrus ist schwarz. Das bringt die weiße Bevölkerung von Klippiesfontein auf die Barrikaden und sie besetzen den Haupteingang des Geschäftes. Im Laufe der Handlung kommt es auch zu Beleidigungen und zahlreichen Handlungen, die auf Vorurteilen gegenüber Schwarzen beruhen. Als Petrus aus der Not heraus sogar zum Geschäftsführer ernannt wird, platzt im Ort die Bombe und es kommt sogar zu tätlichen Angriffen mit Körperverletzung. Immer wieder empfand ich als Leser erhebliches Mitleid mit den Schwarzen und im Umkehrschluss auch mit allen anderen kulturellen Minderheiten dieser Welt. All diese Konflikte regen beim Lesen zum Nachdenken und schlussendlich zu selbstkritischem Denken, was Rassismus, Intoleranz, verschiedene Kulturvölker und deren Daseinsberechtigung angeht. Und auch vier Hummer spielen immer wieder eine zauberhafte Nebenrolle, die dem Buch sogar seinen Titel gaben.

Die Autorin verwendet im Buch sehr viele Begriffe und Floskeln aus der Sprache Afrikaans, die sie auch meistens gleich mit in der Handlung übersetzt, was ich als nicht kolonial-niederländisch sprechender Leser sehr spannend fand. Zum Beispiel Ouma für “Oma”, Wat sê jy daar, Dominie? für “Was sagst du da, Herr?”, Kaffer als Schimpfwort für einen Schwarzen, Goeie môre! für “Guten Morgen!”, My liebe God! für “Mein lieber Gott!”, Jou bliksem! für “Du Schuft!”, lappie für “Tuch”, Baas oder Oom oder Missies für die höfliche Anrede von Weißen, das zwergenhafte, böse Fabelwesen tokoloshe, brandewyn für “Branntwein”, veldskoene für “Kniestrümpfe”, Goeie dag! für “Guten Tag!”, Asseblief! für ein flehendes “Bitte!”, einen babbelas ausschlafen für einen “Kater” ausschlafen, die Haartracht Skull Plaits, isidenge für “Idiot”, Gaan huis toe! für “Geh nachhause!” oder auch sokkie für einen Tanzabend. Auf der Website Glosbe habe ich bei meiner Recherche ein sehr brauchbares Online-Lexikon für Afrikaans-Deutsch gefunden.

Doch auch etliche kulinarische Begrifflichkeiten finden im Buch Erwähnung, die mein Foodbloggerherz ansprechen, da es sich um typisch afrikanische Speisen handelt. So zum Beispiel pap für einen Brei aus Maismehl, Hinweise auf warme Gerichte wie gedünstete Süßkartoffeln, gelber Reis mit Rosinen, glasierter Rote-Bete-Salat, saftige Lammpasteten, Perlhuhn- oder Hühnchenpasteten, das gute, alte Emaille-Geschirr in der Küche, gebackener Cape-Brandy-Pudding, selbstgemachte, dampfende Vanillesoße, vetkoek für “Krapfen”, Wassermelonenmarmelade, Ochsenschwanz, Hühnerleber, Lammkoteletts, biltong für “Trockenfleisch” und den berühmten Hummer-Thermidor (eine Hummersuppe).

Im Buch gibt es auch zahlreiche religiöse Referenzen. Die Hauptfiguren sind alle gläubig, besuchen regelmäßig die Kirche und sprechen sowie beten zu Gott. Als spezifische Kirchen werden immer wieder die Zionist Christian Church (Z.C.C.) und die Niederländisch-reformierte Kirche (NGK, calvinistisch geprägt) genannt. Auch die Afrikaaner-Widerstandsbewegung (AWB) wird häufiger zum Thema gemacht. Das fand ich persönlich recht spannend.

Das Buch war für mich sehr lehrreich und die Handlung wurde von liebenswerten Charakteren getragen, mit denen ich sehr viel Menschlichkeit und Mitgefühl empfand. Und vor allem spielte auch die Liebe und das kleine Glück im Leben eine sehr tragende Rolle. Ich kann das Buch nur empfehlen!

Jamie Mason “In guten wie in bösen Tagen”

Erst vor ein paar Tagen habe ich das Buch “In guten wie in bösen Tagen” von der US-amerikanischen Schriftstellerin Jamie Mason ausgelesen. Heute möchte ich es kurz rezensieren bevor ich es an einen anderen interessierten Leser weitergebe. Sehr gern nutze ich dafür eine der zahlreichen “Bücherboxen”, die man mittlerweile in nahezu jeder größeren Stadt zu Hauf findet – in umgebauten Telefonzellen, alten Regalen oder Schränken vor Wohnblöcken, in nicht mehr genutzten Briefkästen oder auch umfunktionierten Baumkonstruktionen. Eine übersichtliche Karte mit eingezeichneten “Bücherschränken” in ganz Deutschland findet man z.B. auf der Website lesestunden (auch als App verfügbar). Ich finde das eine sehr feine Sache und nehme mir auch hin und wieder mal ein Buch zum Lesen mit nachhause. Es ist ein gesellschaftliches Geben und Nehmen im öffentlichen Raum und sorgt dafür, dass wertvolle Bücher nicht einfach weggeworfen werden, sondern im nächsten Haushalt landen, um erneut konsumiert zu werden.

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Einband

“Ist er dein bester Freund oder dein ärgster Feind?”

Endlich ist Dee glücklich. Nachdem Sie eine sehr ungewöhnliche und gefahrenvolle Kindheit erleben musste, träumte sie schon immer von einem ganz normalen, unauffälligen Leben. Mit ihrem Mann Patrick wohnt Dee nun in einem netten Häuschen in ruhiger Nachbarschaft – genauso, wie sie es immer wollte. Doch eines Tages beginnt die Fassade dieses friedvollen Lebens zu bröckeln: Immer öfter fühlt Dee sich beobachtet und verfolgt. Patrick scheint sich immer mehr von ihr zu entfremden – und Dee beschleicht das beklemmende Gefühl, dass er etwas vor ihr verheimlicht. Holen die Geister ihrer Vergangenheit Dee nun doch wieder ein? Gegen ihren eigentlichen Willen geht Dee ihrem Verdacht nach. Und schon bald ahnt sie: Patrick plant ein neues Leben. Ein Leben ohne sie. Um jeden Preis …

“Eindringlich erzählt, raffiniert konstruiert und wunderschön geschrieben – dieser Roman zieht einen sofort in seinen Bann. Großartig!” (Library Journal)

“Spannend und sprachgewaltig – ein höchst fesselnder Roman.” (Tana French)

Verlag: Bastei Lübbe Taschenbuch, deutsche Erstausgabe, Köln, 2016 | Originaltitel: “Monday’s Lie” | Seitenzahl: 316

Meinung

Bei diesem Buch handelt es sich um einen Psychothriller. Die Autorin hat dabei einen zumeist spannenden Schreibstil. Ich mochte ihre kluge Sprache und ausgeklügelten Redewendungen. Aus psychologisch-emotionaler Sicht fand ich die Handlung beeindruckend. Sie hat mich emotional sehr berührt und es taten sich immer wieder einzelne Spannungsbögen auf, deren potentieller Ausgang einen neugierig machte. Die Protagonistin bewegt sich zwischen einem scheinbar normalen Leben, auf das die Autorin immer wieder dunkle, unklare Schatten wirft. Dabei geht es besonders um Eheprobleme und eine schwierige Kindheit, aber auch um Geheimnisse, Vertrauen und Verrat, menschliche Enttäuschungen und Überraschungen, das Erwachsenwerden in einem mütterlichen Umfeld voller Ungereimtheiten, Verlust, Intelligenz, aufmerksames Beobachten, Spionage und die Welt der Geheimagenten.

Streckenweise empfand ich die Story als sehr geheimnisvoll, dagegen an anderen Stellen wiederum ungenau, beinahe zu verschwiegen und sogar leicht langatmig. Im letzten Drittel verdichteten sich schließlich all die Probleme und als Leser konnte ich das Buch dann kaum noch aus der Hand legen, weil ich unbedingt wissen wollte, was mit Dee passiert und ob es noch Tote geben würde. Es schloss mit einem actionreichen Showdown ab, der jedoch größtenteils absehbar war. Das Buch war also ein kleines Auf und Ab.

Einige der behandelten Themen (v.a. die Lügen und Brüche in Dees Ehe, Appelle an die eigene alltägliche Aufmerksamkeit oder auch die psychologisch ausgeklügelte Vorgehensweise der Protagonistin) haben mich fasziniert und zum Nachdenken angeregt. Dee wirkt sehr abgeklärt, emotional strukturiert und klug. Manchmal fragte ich mich, ob ich bei all den persönlichen Rückschlagen der Hauptfigur ähnlich gehandelt oder schon längst das Handtuch geworfen hätte. Das war interessant und bereichernd zugleich.

Alles in allem war das Werk spannend, informativ, lehrreich auch für das eigene Leben, aber nicht vom ersten bis zum letzten Kapitel durchgängig fesselnd, wie ich es nach Durchlesen des Buchklappentextes erhofft hatte.

Mary Kay Andrews “Winterfunkeln”

Von Oktober über die Vorweihnachtszeit, Weihnachten, Neujahr bis in den späten Januar hinein hatte ich wieder auf einem AIDA Kreuzfahrtschiff – diesmal im Indischen Ozean – gearbeitet und mich hin und wieder in der bordeigenen Bibliothek an interessanten und spannenden Büchern bedient. Über die Festtage musste leichte Kost her, etwas zum Schwelgen, Schmunzeln und Entspannen. Das Buch “Winterfunkeln” von der US-amerikanischen Schriftstellerin Mary Kay Andrews bot für mich genau den richtigen Stoff. Es passt sowohl zu Weihnachten, als auch in den Winter mit all seinem Zauber!

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Einband

“Das Buch für die romantischste Jahreszeit!”

Eloise Foley liebt die Weihnachtszeit von ganzem Herzen. Dieses Jahr soll es besonders schön werden, denn ihr Traummann Daniel will sie ausgerechnet am 24. Dezember vor den Altar führen. Die Antiquitätenhändlerin ist überglücklich. Doch als der große Tag näher rückt, ist an Besinnlichkeit nicht mehr zu denken: Das Brautkleid – passt nicht. Die Trauzeugin – steht kurz vor der Entbindung. Der Zukünftige – wird mit einer heißen Italienierin in New York gesehen. Wird es an Weihnachten nun doch nicht das lang ersehnte Fest der Liebe geben?

“Große Gefühle und der Zauber von Weihnachten liegen in der Luft.”

Verlag: FISCHER Taschenbuch, Frankfurt am Main, 4. Auflage (Dezember 2014) | Seitenzahl: 283

Meinung

Das Buch “Winterfunkeln” ist leichte Kost und passt ideal zu warmen Winterabenden mit heißem Tee und einer Wolldecke. Hin und wieder etwas kitschig und nicht immer sehr tiefgründig, aber unterhaltsam und witzig geschrieben. Die Antiquitätenhändlerin Eloise hat sehr viel für die Weihnachtszeit übrig und plant deshalb auch ihre Hochzeit am Weihnachtstag. Sie verbringt zwischendrin ein paar Tage inmitten des Weihnachtstrubels in der Großstadt New York (um ihren “Bald-“Ehemann Daniel zu sehen), in der allerhand schief geht. Etwas turbulent, doch für mich amüsant, zu lesen.

Sie ist immer auf der Suche nach alten Schätzen für ihr eigenes Antiquitätengeschäft in Savannah oder manchmal auch für ihren privaten Besitz. So erfreut sie sich einmal an hübschem, uraltem Geschirr oder ein anderes mal an verstaubtem, fast vergessenem Weihnachtsschmuck. Ich mochte ihren Geschmack nach alten, aber doch schönen Dingen und ihre Bescheidenheit, New York zwar eindrucksvoll zu finden, sich jedoch in ländlicher Gegend ein gemütliches Leben mit Daniel auszusuchen und aufzubauen.

Sie ist kein anstrengender Charakter und wirkte auf mich als Leser sympathisch und liebenswürdig. Das Buch las sich in einem Ritt zügig weg. Das einzig Ungewöhnliche dabei war die Tatsache, dass die Erzählperspektive stetig wechselte. Der “Ich”-Erzähler war mal Eloise und mal ihre beste Freundin Bebe. Einen solchen Schreibstil hatte ich zuvor noch in keinem Buch gelesen und ich musste mich erst daran gewöhnen. Es war jedoch beim Lesen keinesfalls hinderlich.

Das Buch ist übrigens die Fortsetzung des Titels “Weihnachtsglitzern”. Wer das nicht gelesen hat, kein Problem, es ist für das Verständnis nicht notwendig. Ich hatte es zuvor auch nicht gelesen.

“Winterfunkeln” hatte genau die weihnachtliche Leichtigkeit mit liebenswerten, fast schrulligen Hauptcharakteren, die ich mir für die besinnliche Adventszeit gewünscht hatte.

Elli H. Radinger “Minnesota Winter – Eine Liebe in der Wildnis”

Heute möchte ich euch endlich wieder ein Buch vorstellen, welches ich in diesem Winter gelesen habe: Minnesota Winter – Eine Liebe in der Wildnis. Meine Oma hat es mir weitergeschenkt. Die autobiographische Geschichte spielt im US-amerikanischen Minnesota, in dessen Nähe ich selbst einmal gelebt habe. Inmitten eines der Natur überlassenen Wolfsreviers lebt eine Deutsche zusammen mit ihrem amerikanischen Freund in einer Blockhütte. Vor vielen Jahren war ich als Austauschschülerin im Mittleren Westen der USA, genauer gesagt verbrachte ich meine Zeit in dem Dreieck auf der Landkarte, in dem sich Süd Dakota, Minnesota und Iowa treffen. Eine wunderbare Zeit, die schon viel zu lang vorbei ist. Umso schöner, dass meine Oma an mich gedacht hat und mir dieses Buch gab. So konnte ich nochmal eintauchen in diese hübsche Naturlandschaft. Die Geschichte handelt von viel Natur, Wölfen, Einsamkeit, Liebe und zwei menschlichen Weltanschauungen, die kaum miteinander vereinbar sind.

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Der Aussteiger Greg Howard ist die Erfüllung ihres Traums vom Leben in der Einsamkeit mitten unter wilden Tieren. Kurz entschlossen bricht Elli Radinger alle Brücken zu ihrer Heimat ab und zieht an einen Ort, der auf keiner Landkarte verzeichnet ist, zu einem Mann, den sie kaum kennt. Sie lebt mit ihm in einer Blockhütte im Revier von Wölfen und Bären und stürzt sich in ein Abenteuer, die sie an ihre Grenzen bringt, körperlich und emotional. Was sie erlebt, übertrifft all ihre Erwartungen – und Befürchtungen.

Verlag: Aufbau Verlag GmbH & Co. KG, Berlin 2015 (Originalausgabe erschien 2013) | Seitenzahl: 300

Meinung

Das Buch wurde von Elli H. Radinger verfasst, eine Deutsche (aus Hessen), die als Fachjournalistin und Buchautorin arbeitet. Sie hat sich auf das Thema Wölfe spezialisiert und gründete im Jahr 1991 die Gesellschaft zum Schutz der Wölfe. Außerdem ist sie seit 1991 Herausgeberin vom Wolf Magazin. Sie schrieb in “Minnesota Winter” ihre Erfahrungen nieder, die sie während ihrer Beziehung zu dem Amerikaner Greg Howard erlebte. Greg ist Aussteiger und hat der Zivilisation mit all seinen Fortschritten wie Elektrik oder Konsum abgeschworen. Er versucht seit knapp 14 Jahren so zu leben wie seine Vorfahren und ließ sich in den Weiten des US-Bundesstaates Minnesota nieder. Elli zieht Hals über Kopf zu ihm in die Wildnis und stellt sich den harten Bedingungen dieses Einsiedlerlebens, wie z.B. täglich Wasser holen aus dem umliegenden zugefrorenen See, Eis schmelzen, Fische fangen und ausnehmen, keinen Ort in der Cabin zu finden für ungestörte Körperwäsche und -pflege, eisige Kälte, Fortbewegung im tiefen Schnee und die kilometerweite Beförderung von Einkäufen mit dem Schlitten, dem Skifahren und Schneeschuhlaufen lernen und allen voran den Eigenheiten von Greg, der mir oft ungerecht, engstirnig und dickköpfig vorkam. Immer wieder streiten die beiden im Buch, weil sie unterschiedliche Weltanschauungen haben. Er will keine Kinder und hasst Hunde, was Elli das Herz bricht, da sie gern ihre geliebte Labradorhündin Lady mit in die USA nehmen möchte, die währenddessen von ihren Eltern in Deutschland betreut wird. Hunde lehnt Greg jedoch kategorisch ab.

Als Leser fragte ich mich sehr häufig, weshalb die Autorin sich so einer schweren Aufgabe überhaupt stellt und all ihre Prinzipien über den Haufen wirft für einen Mann, der sich nicht wirklich für ihre Welt zu interessieren scheint. Er weigert sich, mit ihr einen Urlaub in Deutschland zu machen und ihre Familie kennenzulernen. Er erachtet es als selbstverständlich, dass sie die lange und teure Flugzeugreise zwischen Deutschland und den USA ein- bis zweimal im Jahr hin- und herpendelt. Sie gibt nahezu all ihre Ersparnisse aus, um ihrem Freund gerecht zu werden und vergießt im Laufe des Buches viele Tränen, weil sie an ihre emotionalen wie auch körperlichen Grenzen kommt. Greg beteiligt sich finanziell nicht an ihren Reisen und macht ihr immer wieder Vorwürfe, wenn sie Geld für – in seinen Augen unwichtige – Dinge wie Kaffee oder Internet (Elli schreibt ihre Artikel in der Cabin, um weiter Geld zu verdienen) ausgibt. Er lebt eine Doppelmoral. Als Erklärung für ihr langes Durchhalten nennt Elli immer wieder ihren jahrelang gehegten Wunsch vom autarken Leben in einer Cabin im Wald. So stark war ihr Drang, sich diesen Traum zu erfüllen, dass sie diese Art von Leben lang genug ertragen hat. Bestimmt gab es zwischendrin auch das ein oder andere Erlebnis, das unwiederbringlich und besonders für sie war, wie beispielsweise ihre Begegnung mit Wölfen im Wald, Sterne und Sternschnuppen beobachten, die unzähligen Kanutouren oder das Erlernen, wie man ein Kanu baut.

Ich bewundere die Autorin für ihr Durchhaltevermögen und glaube, dass es nach einer solch deprimierenden Erfahrung auch immer viel Positives zu finden gibt, das man für sich und sein eigenes Leben mitnehmen kann. Sie hat sich, zumindest zeitweise, einen Lebenstraum erfüllt und das kann man ihr nicht vorwerfen. Aus Fehlern lernt man. Das Buch war spannend geschrieben und hat mich zugleich gut unterhalten.

Stephen King “Joyland”

Die AIDA Schiffe, auf denen ich zurzeit arbeite, besitzen kleine Bordbibliotheken für die Besatzung, in denen ich sehr gern herumstöbere, um das ein oder andere spannende Buch zu finden. Zwischen all den englisch-, russich- und deutschsprachigen Schmökern entdeckte ich vor einer Weile dieses kleine Juwel von Stephen King: Joyland. Ich liebe seine Filme und habe bereits mehrere Bücher von ihm gelesen. Ich war ganz angetan, dass jemand dieses Buch zurückgelassen hat und freute mich riesig darüber! Heute möchte ich es rezensieren.

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Einband

Stephen Kings Bestseller Der Anschlag – seine Zeitreise in die Sechzigerjahre – wurde von der Kritik einhellig in höchsten Tönen gelobt. In Joyland nun nimmt der Autor den Leser auf einen Trip in die Siebzigerjahre mit. Auf verhängnisvolle Weise kreuzen sich in einem kleinen Vergnügungspark die Wege eines untergetauchten Mörders und eines Kindes. Und mitten im sich überschlagenden Geschehen steht ein junger, unschuldiger Student und weiß: Irgendwann ist es mit der Unschuld vorbei. Irgendwann hört jeder Spaß auf.

Um sich sein Studium zu finanzieren, arbeitet Devin Jones während der Semesterferien im Vergnügungspark Joyland an der Küste von North Carolina. Drei Dinge sind es, die ihn im Laufe des Sommers 1973 vor allem beschäftigen: Seine große Liebe Wendy gibt ihm per Brief den Laufpass. In der Geisterbahn Horror House soll es spuken, nachdem dort ein Mädchen ermordet wurde. Und er fragt sich, welches Geheimnis sich wohl hinter der schönen jungen Frau mit ihrem behinderten Sohn verbirgt, an deren Strandvilla er jeden Tag vorbeikommt. Vom unbekümmerten Schaustellerleben in Joyland fasziniert, verlängert Devin seinen Aufenthalt. Mit seinen neugierigen Nachforschungen tritt er jedoch eine Lawine von Ereignissen los, bei denen es schließlich um Tod oder Leben geht …

Verlag: Wilhelm Heyne Verlag, München, 2013, in der Verlagsgruppe Random House GmbH | Seitenzahl: 352 | Originaltitel: Joyland (2013, Titan Books, London)

 

Meinung

Die Handlung des Stephen King Romans “Joyland” findet im US-amerikanischen und an der Atlantikküste gelegenen North Carolina im Jahr 1973 statt und behandelt die Themen: die erste große Liebe, Orientierung im Leben eines jungen Erwachsenen, Wehmut und Seelenschmerz, menschliche Enttäuschung, Krankheit, hinterhältiges Morden in einer Geisterbahn und Umgebung sowie die Erkenntnis, was im Leben wirklich wichtig ist.

Im ersten Drittel geht es insbesondere um das Leben des jungen Studenten Devin Jones (u.a. Studium und Finanzierung, Rolle des Vaters, erste große Liebe zu einem Mädchen namens Wendy, Sommerjob mit all seinen beruflichen Herausforderungen im Vergnügungspark “Joyland”, Unterkunft und Verpflegung, Freundschaften knüpfen und die Frage, wohin das Leben führen soll), was sich etwas lang hinzog, aber dennoch nicht uninteressant geschrieben war. Es erinnert an eine klassische Coming-of-Age-Story. Erst im letzten Abschnitt nahm meine Aufregung deutlich zu und führte mich vorbei an einigen Spannungsbögen und der Entlarvung des Geisterbahn-Mörders, den ich zugegeben auch als einen von zwei Möglichkeiten im Verdacht hatte, mir dann aber nicht mehr so sicher war. Das Buch vereint ein Gefühl von Kindheitsnostalgie und ist zugleich ein anregender Krimi. Jedoch hatte ich beim Lesen das Gefühl, dass nicht etwa der eigentliche Mord im Vordergrund stand, sondern vielmehr die Komplexität des Lebens und so mancher Schicksale von Menschen, denen Devin im Laufe der Handlung begegnet.

Begeistert war ich von der in einzelnen Kulturkreisen bekannten und eigens entwickelten Schausteller- und Jahrmarktsprache, die sich vermutlich durch reisende Völker wie die Sinti und Roma entwickelt hat. King verwendet zahlreiche Begriffe in seinem Roman, mit denen ich bezüglich dieses Kontextes zu Beginn nicht viel anfangen konnte: z.B. Tölpel, Grünschnabel, Schausteller von altem Schrot und Korn, Dogtop, Conies, das Fell oder Schockfreier. Vieles stammt aus dem Jiddischen.

Die Namen etlicher Fahrgeschäfte klingen hingegen vertraut und erinnern an die eigenen Jahrmarkt- und Rummelbesuche aus Kindertagen: beispielsweise “Carolina Spin”, “Wiggle-Waggle-Village”, “Devil Wagons”, “Whirly Cups”, “Howdy House”, “Zipper”, “Thunderball”, “Delirium-Shaker”, “Chair-O-Planes”, “Pup-A-Licius-Bude”, “Dizzy Speedboats”, “Krazy Kups”, “Wild Mouse” und das berüchtigte “Horror House”.

Das Ende ist etwas traurig und hoffnungsvoll zugleich.

Ich kann das Buch weiterempfehlen und habe Lust, mich bald wieder einer Lektüre von Stephen King zu widmen.

Linda Castillo “Blutige Stille”

Endlich gibt es von meiner Seite mal wieder Lesestoff. Ich möchte euch heute einen Thriller vorstellen, der mich begeistert hat und zu dem ich eine gewisse persönliche Beziehung habe. Die US-amerikanische Schriftstellerin Linda Castillo lässt ihre Krimi-Romane der Reihe Kate Burkholder stets in amischen Gemeinden in den USA stattfinden. Und die Bluttaten sind meist von grauenvoller Natur. Die Amischen sind eine protestantisch orientierte Glaubensbewegung, die sich aus der mitteleuropäischen Täuferbewegung heraus entwickelt hat. Sie stammen z.B. aus den Niederlanden oder auch Deutschland und viele siedelten frühzeitig in die USA über.

Vor gut zehn Jahren habe ich eine solche amische Gemeinde selbst einmal besucht, im US-Bundesstaat South Dakota. Es war für mich als Jugendliche damals eine sehr prägende Erfahrung. Ich war als Austauschschülerin an einer Highschool, lebte bei einer Gastfamilie auf dem Land und lernte über eben diese eine Frau namens Liz kennen, die selbst als junger Mensch von den Amischen in einer Nacht- und Nebelaktion geflohen ist. Heute führt sie mit Mann und Kindern ein Leben außerhalb der Grenzen dieses amischen Dorfes, durfte jedoch als Gast zurückkommen, um ihre Familie zu besuchen. Eine etwas heikle Situation. Und noch heikler war, dass sie mich damals mitnahm. Als nicht-amischer Besucher wurde ich natürlich von allen Seiten misstrauisch beäugt. Trotzdem war ich dankbar für diese spannende Sicht auf eine völlig andere Lebens- und auch Glaubensweise. Das Verrückte: Die Amischen sprechen eine Sprache, die sich Pennsylvania-Deutsch nennt. Ich konnte sie also teilweise verstehen.

Umso interessanter war es, als mir meine Oma vor einem Jahr drei Bücher von Linda Castillo schenkte. Sie wusste schließlich von meiner Erfahrung mit der amischen Gemeinde und traf bei mir genau ins Schwarze. Viele der im ersten Buch beschriebenen Situationen, Kleiderordnungen und Glaubensgrundsätze habe ich wiedererkannt. Es war für mich quasi eine kleine Zeitreise zurück in vergangene Begegnungen. Und noch dazu sehr spannend aufbereitet, ja fast schockierend. Ich freue mich jetzt schon auf die nächsten beiden Krimi-Bände, die noch in meinem Bücherregal warten!

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Linda Castillo “Blutige Stille”.

 

Einband

Die Toten lügen nicht – aber welche bittere Wahrheit verschweigen sie? Der zweite spektakuläre Fall für Polizeichefin Kate Burkholder.

Sie töteten alle Mitglieder der Familie Plank. Die Leichen des Vaters und der beiden Söhne fand man im Wohnhaus, die der Mutter und des Babys auf dem Weg zur Scheune. Doch niemand war auf das vorbereitet, was sie in der Scheune fanden. Die beiden Mädchen, gefoltert und misshandelt. Die Familie gehörte zur amischen Gemeinde in Painter’s Mill, Ohio, sie lebten getreu ihren Glaubensgrundsätzen von Schlichtheit und Bescheidenheit, waren gottesfürchtige Leute. Fernab von den Verführungen der Zivilisation. Oder enthüllt das Tagebuch der ältesten Tochter eine andere Wahrheit?

“Exzellent!” (Publishers Weekly)

Verlag: 7. Auflage, März 2013, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main (Deutsche Erstausgabe veröffentlicht im Juli 2011) | Seitenzahl: 391 | Originaltitel: Pray for silence (2010)

 

Meinung

In meinem Eingangstext habe ich schon eine ganze Menge positiver Energie versprüht. Das Buch hat mich begeistert, denn die Geschichte ging mir nicht nur persönlich unter die Haut, sondern sie war auch voller Spannung, Angstmomenten und bestialischen Abschnitten, die mich neugierig auf den Ausgang der Handlung gemacht haben. Ich konnte das Buch nicht weglegen und hatte es in drei Tagen durchgelesen.

Auch ein Techtelmechtel der Hauptfigur mit einem ihrer entfernten Kollegen brachte Abwechslung ins Geschehen.

Die Autorin hat einen angenehmen und leicht nachvollziehbaren Schreibstil, der mich nicht gelangweilt oder gar angestrengt hat. Das ist für mich ein wichtiges Kriterium beim Lesen. In einem Rutsch kommt man gut durch die Handlung, die sehr packend aufgebaut ist. Ich bin schon sehr gespannt auf den nächsten Teil!

Jostein Gaarder “Das Orangenmädchen”

Heute möchte ich euch eines meiner Lieblingsbücher vorstellen: “Das Orangenmädchen” von dem norwegischen Autor Jostein Gaarder, dessen Geschichten sich besonders an Kinder und Jugendliche richten. Es handelt von der Liebe, vom Leben und vom Tod. Ein zutiefst berührendes Werk, welches sich auch zum Nochmallesen lohnt.

Im Jahr 2004 erhielt das Buch eine Nominierung für den Deutschen Jugendliteraturpreis und kam 2009 ins Kino.

Jostein Gaarder - Das Orangenmädchen

Einband

“Mein Vater ist vor elf Jahren gestorben. Damals war ich erst vier. Ich hatte nie damit gerechnet, je wieder von ihm zu hören, und jetzt schreiben wir zusammen ein Buch.”

“In diesem Buch wartet eine Geschichte, wie sie sonst nur Verliebten ganz allein gehört – und zugleich einer der schönsten Abschiedsbriefe, die Sie sich vorstellen können.” (Brigitte)

Josteins Gaarders Bestseller wurde jetzt verfilmt – ein realistisch-poetisches Märchen über das Erwachsenwerden, das Schicksal, das Glück und die große Liebe.

Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (dtv) | Erscheinungsjahr (Deutschland): 2005 | Seitenzahl: 188 | Originaltitel: Appelsinpiken (2003)

 

Meinung

Das Buch hat mich von der ersten Seite an gefesselt und in nur wenigen Tagen hatte ich es zu Ende gelesen. Es war mein erstes Werk von Jostein Gaarder, der berühmt für seine philosophisch wertvollen Geschichten ist.

Die Handlung ist fantasievoll, ermutigend und traurig zugleich. Der 15-jährige Georg hat nicht mehr viele Erinnerungen an seinen verstorbenen Vater. Doch eines Tages taucht ein langer Brief in der alten Kinderkarre auf, der an Georg adressiert ist. Darin schildert der Vater seine Jahre zurückliegende Begegnung mit seiner großen Liebe in der Straßenbahn von Oslo. Das Mädchen trug eine große Tüte voller Orangen mit sich herum und ihr Gesicht war von auffällig hübschen Grübchen und Zügen gekennzeichnet. Nicht nur Georg, sondern auch der Leser fragt sich fortan, wer die Frau ist. Im Brief gibt der Verstorbene Antworten und stellt zugleich jede Menge Fragen an seinen Sohn. Dieser versucht im Laufe der Geschichte wiederum Antworten zu finden und fügt sie später dem Brief hinzu. Somit ergeben sich zwei ineinandergreifende Handlungen: Einmal die Geschichte des Vaters, die bereits in der Vergangenheit stattgefunden hat, und zum Anderen die gegenwärtigen Antworten von Georg, welcher seine Gedanken durch Kursivschrift abhebt. Die Worte des Vaters haben auch für Georgs zukünftiges Leben große Bedeutung und so klärt sich allmählich, warum der Brief überhaupt entstanden ist. Die zuvor auf unterschiedlichen Zeitsträngen erzählten Handlungen laufen zusammen.

Gaarder hat einen sehr modernen Schreibstil und seine philosophischen Fragen an das Leben gehen unter die Haut. Dass der Tod eines Menschen dauerhaft Bestandteil im Leben der Hinterbliebenen ist, wird deutlich und gibt Kraft, weiterzumachen und niemals den eigenen Lebensmut zu verlieren. Alles hat einen Sinn.

Vor allem auf den letzten Seiten kullerte bei mir die eine oder andere Träne, weil das Buch neben all der Liebe und Lebenskraft, eben auch von Verlust und Schmerz handelt. Im Grunde ein Abschiedsbrief, gefühlvoll und sehr persönlich geschrieben. Außerdem regt er zum Nachdenken über das eigene Leben an.

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Herzlich Willkommen!

Ich bin eine junge Thüringerin mit Wurzeln im italienischen Mittelmeerraum.

Auf meinem Blog dreht sich alles um die Liebe zur Küche. Weil ich aber seit April 2014 als Redakteurin auf den Kreuzfahrtschiffen von AIDA arbeite, schreibe ich zeitweise auch Reiseberichte von unterwegs, in welche die kulinarischen Genüsse fremder Kulturen ebenso münden.

Lasst euch verzaubern