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Kategorie: Bücher

Minette Walters „Die Schandmaske“

Minette Walters „Die Schandmaske“

Vor Kurzem habe ich eine neue Arbeitsstelle gefunden, zu der ich im ersten Monat mehr als 5 1/2 Stunden pro Tag pendeln muss. Das ist sehr anstrengend und so bleibt mir unter der Woche vom Tage nicht viel übrig. Anfang Oktober folgt dann der lang ersehnte Umzug und mein Arbeitsweg wird bedeutend kürzer sein. Darauf freue ich mich schon sehr. Bis es aber soweit ist, vertreibe ich mir die vielen Stunden im Zug mit Lesen. Zuletzt fiel mir in einem öffentlichen Bücherregal „Die Schandmaske“ von Minette Walters in die Hände. Ich bin ein großer Fan der britischen Krimi-Autorin und habe bereits öfter Romane („Der Schrei des Hahns“, „Im Eishaus“) von ihr gelesen. Heute kommt meine persönliche Rezension zum Werk „Die Schandmaske“.

 

Einband

Als Mathilda Gillespie im Badezimmer ihres Landsitzes im kleinen, englischen Ort Fontwell gefunden wird, ist sie bereits zwei Tage tot. Ihrer Ärztin Sarah Blakeney bietet sich ein grauenhafter Anblick, denn über Mathildas Kopf ist ein rostiger Metallkäfig gestülpt – eine mittelalterliche Schandmaske, die auch noch mit einem grotesken Blumenschmuck versehen ist. Die Polizei und die Familie vermuten einen Selbstmord hinter diesem bizarren Tod, doch als sich herausstellt, dass Mathilda ihre Ärztin zur Alleinerbin bestimmt hat, gerät Sarah unter schweren Mordverdacht. Ein Schlüssel zur geheimnisumwitternden Vergangenheit dieser von vielen gehassten Frau könnte ihr Tagebuch sein. Doch Mathildas höchst private Bekenntnisse sind spurlos verschwunden …

„Geballte Spannung!“ (Frankfurter Rundschau)

Ausgezeichnet mit dem Golden Dagger als bester Kriminalroman des Jahres.

Verlag Deutsche Ausgabe: Der Goldmann Verlag, München, 1996 | Seitenzahl: 409 | Originaltitel: The Scold’s Bridle

 

Meinung

Der Roman beginnt direkt mit der Schilderung vom Todesanblick Mathilda Gillespies. Eine alte Dame, die mit aufgeschnittenen Pulsadern steif und kalt gefroren in ihrer eigenen Badewanne im Cedar House liegt. Auf ihrem Kopf trägt sie ein rostiges Gestell – eine Schandmaske aus dem Mittelalter, mit der zänkische Frauen einst zum Schweigen gebracht wurden. Das Groteske sind die Brennnesseln und blühenden Maßliebchen, die daran angebracht sind. In der Gebissstange hängt die tote, schlaffe Zunge. Obwohl Gerichtsmediziner Dr. Cameron es zunächst als Selbstmord deklariert, glaubt der Polizeibeamte Seargant Cooper an einen Mord. Am Unfall- oder auch Tatort zugegen ist auch Mathildas Ärztin Sarah Blakeney, die sich mit der alten Dame gut verstand, ihr monatlich einen medizinischen Besuch abstattete und nun von den grauenhaften Umständen schockiert ist. Mathilda Gillespie hinterlässt eine Tochter namens Joanna, die in London lebt sowie eine Enkelin namens Ruth, die ein privates Internat besucht. Wie sich herausstellt, war die betagte Dame im Dorf sehr unbeliebt und galt als äußerst unfreundlich, bösartig und geizig. Sie besaß viel Geld, woraufhin sich das Motiv zunächst konzentriert. Jedoch taucht wenig später eine Videobotschaft auf, welche Mathilda zwei Tage vor ihrem Tod aufzeichnete und ihrem Anwalt hinterließ. Sie überarbeitete heimlich und spontan ihr Testament, was alle zuvor getroffenen Entscheidungen außer Kraft setzt. Es scheint, als ob sie wusste, dass sie bald sterben würde. Im Video bekundet sie, dass sie weder ihrer von Drogenexzessen und Prostitution gezeichneten Tochter, noch ihrer stehlenden Enkelin etwas von dem Geld überlassen wolle. Stattdessen solle ihre Ärztin Sarah alles erben. Das erregt natürlich alle Gemüter. Welche Verbindung gab es zwischen Mathilda und Sarah? Und plötzlich steht Mathildas Ärztin unter Mordverdacht. Zwischen Sarah und Joanna entwickelt sich eine sehr schwierige Beziehung, die von Neid und Missgunst auf Joannas Seite geprägt ist. Im Dorf zerfetzt man sich indessen die Mäuler über die Beteiligten, woraufhin Sarah einen Großteil ihrer Patienten verliert und ihre Praxis häufig leer bleibt. Und auch zwischen Sarah und ihrem Mann Jack kriselt es gewaltig. Er ist brotloser Künstler und gilt als untreu. Als Sarah ihn im Streit aus dem Haus wirft, zieht dieser kurzerhand bei Joanna ein, was die ganze Geschichte in einem noch merkwürdigeren Licht dastehen lässt. Jacks Bilder sind immer wieder Thema im Roman. Er malt seine Modelle nicht so, wie sie wirklich aussehen, sondern genauso, wie er sie sieht und einschätzt. Dabei stehen seine verwendeten Farben für Charaktereigenschaften (z.B. rot für Zynismus, grün für Anstand und Ehrgefühl, braun für Verzweiflung, blau und grau für Grausamkeit). Und obwohl Jack bisher nur ein Bild verkauft hat, glaubt Sarah an ihn und sein Talent. Sie findet ein Bild in seinem Atelier, auf dem er Mathilda nackt und mit Schandmaske gemalt hat. Und auch Joanna steht ihm später noch Modell. Im Verlauf der Handlung stehen immer wieder Joanna und ihre Tochter Ruth sowie Sarah und ihr Mann Jack im Visier der Ermittler, weil sie in deren Augen allesamt ein Mordmotiv hätten.

Der Roman hat an zahlreichen Stellen Bezüge zu den Werken von William Shakespeare. Mathilda Gillespie war ein großer Fan des Lyrikers und lernte allerlei Zitate aus den Stücken auswendig. Immer wieder werden Parallelen zu den Tragödien „Othello“ oder „König Lear“ deutlich. So finden auch Gespräche zwischen Seargant Cooper und Jack statt, in denen Cooper die Zusammenhänge zu verstehen versucht, die Jack längst begriffen hat. Der Polizist liest sogar in seiner wenigen Freizeit Shakespeare, um den Fall zu lösen. Mathilda schien ihr Leben und die Vorgänge darin allegorisch mit einigen Geschichten und Handlungen von Shakespeares Stücken zu vergleichen.

Die Themen, die in Walters‘ Roman zutage kommen, sind sehr düster und teilweise auch grausam. So behandelt der Roman Missbrauch, Vergewaltigung, Inzucht, Schwangerschaft, Geldgier, Lügen, Verrat und gegenseitige Erpressung. Es gelingt der Autorin wieder einmal aufzuzeigen, was traumatische Erlebnisse mit einem Menschen anstellen. Wie man vom unschuldigen Opfer über Wesensveränderungen auch zum Täter werden kann.

In der späteren Handlung taucht auch Mathildas Ehemann James auf, der inzwischen mittellos und alkoholabhängig ist. Ebenso gesellen sich weitere Figuren um die alte Dame in den Vordergrund, die eine teilweise geheime Vergangenheit mit Mathilda verbindet. Sarahs Praxisschwester Jane Marriott und deren Mann Paul Marriott scheinen etwas zu wissen. Violet und Duncan Orloff, die direkt neben Mathilda wohnen und durch die dünnen Wände viele Gespräche aus dem Cedar House mitbekamen, machen sich ebenfalls verdächtig.

Zwischen den einzelnen Kapiteln schob Minette Walters Auszüge aus den Tagebüchern von Mathilda Gillespie ein, die mir als Leser anfangs eher zusammenhangslos und später zunehmend spannend erschienen.

Im gesamten Werk wird Walters‘ außergewöhnliche schriftstellerische Fähigkeit deutlich, familiäre Abgründe zu schildern. Ihre Charaktere strotzen nur so vor negativen Eigenschaften und gestörten Beziehungen. Zuvor hatte ich ihre Bücher „Der Schrei des Hahns“ und „Im Eishaus“ gelesen, die mich gleichermaßen gefesselt und erschüttert haben. Auch „Die Schandmaske“ ist psychologisch gut durchdacht und zeigt menschliche Wesenszüge auf, die beängstigend und traumatisierend sind. Manchmal habe ich beim Lesen sehr viel Mitleid mit einigen Figuren empfunden, an wieder anderen Stellen erschütterte mich der Hass und die fehlende Liebe zwischen einigen Familienmitgliedern aus dem Hause Gillespie.

Ich habe das ganze Buch über mitgefiebert und finde die Handlung sehr spannend erzählt. Es ist immer wieder faszinierend in Minette Walters‘ Welt kranker, zerrütteter Familien mit schlechten Charaktereigenschaften einzutauchen. Im Buch ist auffällig, dass die Polizei sehr lange im Dunkeln tappt und die Aufklärung zu stocken scheint. Nur durch einen entscheidenden Hinweis von Jack, der die ganze Sache durchschaut hat, wird die finale Lösung eingeleitet. Das erschien mir als Leser ein bisschen zu plötzlich, wenn man bedenkt, wie zäh sich bis dato alles hinzog. Trotzdem ist es alles in allem ein Kriminalroman ganz nach meinem Geschmack. Ich werde auch in Zukunft noch ein paar Bücher von Minette Walters verschlingen!

Jane Campion / Kate Pullinger „Das Piano“

Jane Campion / Kate Pullinger „Das Piano“

Vor einer Weile fiel mir das Buch „Das Piano“ in die Hände, welches mich so in seinen Bann zog, dass ich es binnen eines verlängerten Wochenendes fertig durchgelesen hatte. Es spielt die meiste Zeit im fernen Neuseeland mit Rückbezügen nach Schottland. Die Geschichte ist gleichzeitig verzaubernd wie verstörend mit einem überraschenden Schluss. Es wird wohl eines meiner Favoriten bleiben.

Einband

Die junge Schotting Ada McGrath, streng viktorianisch erzogen, ist seit ihrer Kindheit stumm – nur über ihr Klavier verschafft sie sich Ausdruck. Zusammen mit ihrer unehelichen kleinen Tochter Flora schifft sie sich nach Neuseeland ein, denn dort erwartet sie Alisdair Stewart, den ihr Vater ihr zur Heirat vermittelt hat. Adas einziger Halt in der tropischen Fremde ist, neben ihrer Tochter, das Klavier – nur wenn sie spielt, ist sie eins mit sich selbst. Ihr neuer Ehemann jedoch verweigert sich, das Instrument durch den sumpfigen Dschungel nachhause zu schleppen – es bleibt am Strand. Ada sieht erst einen Lichtblick, als sie erfährt, dass Stewart das Klavier an George Baines veräußert hat. Baines, ebenfalls Einwanderer, ein Analphabet, der unter Eingeborenen lebt, ist fasziniert von der schönen, jungen Frau. Er schlägt ihr einen Handel vor: Sie soll für ihn spielen und so, Stunde um Stunde, Taste um Taste, ihr Instrument zurückgewinnen. Ada willigt ein – und schon nach kurzer Zeit verfällt der sanfte Wilde ihr in heftiger Leidenschaft.

In der Wildnis Neuseelands beginnt die Affäre der stummen Ada McGrath mit dem Einwohner Baines … DAS PIANO: Leidenschaftliche Liaison und zugleich Reise in die Untiefen unserer Zivilisation, wo keine moralischen Gesetze mehr gelten und die Macht der Sexualität dominiert. Jane Campion hat mit diesem Roman die Arbeit an ihrem großen Film vollendet und erweitert, denn hier erzählt sie auch Adas Vorgeschichte: Welches Trauma hat ihre Stummheit verursacht, und wer war der Vater ihrer Tochter Flora? Eine ungewöhnliche, poetisch-sinnliche Liebesgeschichte. Das Buch zum Film.

Verlag Deutsche Ausgabe: R. Piper GmbH & Co. KG, München, 1994 (Original erschien bei Hyperion, New York, 1994) | Seitenzahl: 233 | Originaltitel: The Piano

Meinung

Der Roman „Das Piano“ fällt in das Genre Liebesdrama und hat ebenfalls etwas Abenteuerliches. Die stumme Hauptfigur Ada McGrath hat aus einer früheren Liebelei mit ihrem ehemaligen Klavierlehrer eine uneheliche Tochter namens Flora, die zugleich als ihre beste Freundin fungiert. Die Geschichte spielt in einer Zeit (Mitte des 19. Jahrhunderts), in der man mit Kind und ohne Trauring dem Gespött der Leute ausgesetzt ist. Um diesem Dilemma eine Ende zu setzen und Ada finanzielle Sicherheit zu geben, verheiratet ihr Vater sie mit dem in Neuseeland lebenden Briten Alistair Stewart. Ada zieht mit samt Hausrat, Kind und ihrem Piano per Schiff auf einer monatelangen Reise voller Entbehrungen nach Neuseeland. Ihr neuer Mann gibt sich alle Mühe mit Ada, tritt jedoch steif und pedantisch auf und zu seinem Leidwesen hat Ada nicht viel für ihn übrig. Sie fühlt sich wie eine Fremde in dieser Welt und der damals noch zu England gehörenden Kolonie. Schließlich lernt sie über einen Deal, um ihr Klavier zu behalten (welches ihr Mann Alistair Stewart nicht im Haus haben möchte und sogar gegen Land eingetauscht hatte), den Einwanderer George Baines kennen. Das Verhältnis zwischen beiden erschien mir zu Beginn äußerst seltsam. Im Einband laß ich etwas von „heftiger Leidenschaft“ und „leidenschaftlicher Liaison“. Das klang für mich zunächst nach einer Romanze im beiderseitigen Einverständnis, jedoch fühlt Ada sich anfangs stark unter Druck gesetzt und in meinen Augen ebenfalls sexuell genötigt. Das war etwas befremdlich. Jedoch wächst im Laufe der Geschichte Adas Interesse an Baines, da dieser sich stark zu ihr hingezogen fühlt und an sie glaubt. Im letzten Drittel des Buches kommt es zu einer überraschenden Wendung im Buch. Die Liebelei zwischen Ada und Baines nimmt einen sehr verhängnisvollen Lauf, weil Alistair Stewart hinter das Verhältnis kommt und sich rächt.

Die Geschichte verbindet Liebe, Leidenschaft, Sinnlichkeit, Eifersucht, Macht und Dominanz. Die Charaktere der einzelnen Figuren haben mich sehr berührt, weil man sich gut in sie hinein versetzen kann. Die Vorstellung, sich für ein stummes Leben zu entscheiden (wie Ada dies bereits sehr früh getan hat, obwohl sie nicht stumm geboren wurde) weckte mein Interesse und erschreckte mich zugleich. Selbst in Lebenssituationen, in denen es hilfreich und notwendig gewesen wäre, die Stimme zu erheben, ließ Ada stumm an sich herüberziehen. Das war bemerkenswert. Das Ende kam für mich sehr überraschend und ich empfand es als positiv und erleichternd.

Das Buch „Das Piano“ folgte auf den gleichnamigen Film. Der Film war das Werk der neuseeländischen Regisseurin Jane Campion und ein großes Film-Ereignis im Jahr 1993. Er brachte drei Oscars in Los Angeles und die Goldene Palme in Cannes ein. Gemeinsam mit der britischen Autorin Kate Pullinger entstand schließlich der Roman.

Ich mochte das Buch sehr gern und es hat mich so gefesselt, dass ich nur ein paar wenige Tage brauchte, um es durchzulesen. Es spricht das Herz an und zählt nun zu meinen Favoriten. Den Film habe ich bisher leider noch nicht gesehen, aber ich hoffe, dass ich irgendwann noch die Gelegenheit dazu bekomme.

Henning Mankell „Mörder ohne Gesicht“

Henning Mankell „Mörder ohne Gesicht“

Ich bin ein großer Fan von schwedischen Krimis, insbesondere mag ich die Geschichten um die von Henning Mankell geschaffene Kunstfigur und Kriminalkommissar Kurt Wallander, der im schwedischen Ystad Verbrecher jagt. Die Handlungen sind düster, regen zum Nachdenken an, weil sie gesellschaftliche und politische Kritik am schwedischen Staat üben, behandeln zumeist brutale Themen und haben einen Hang zur Melancholie. Häufiger laufen im TV sehr spät abends auch die dazugehörigen Verfilmungen. Heute möchte ich das Buch „Mörder ohne Gesicht“ vorstellen, welches im Jahr 1993 in Deutschland erschien (in Schweden bereits im Jahr 1991).

Einband

„Kurt Wallander stieß die Tür mit dem Fuß auf. Es war schlimmer, als er es sich vorgestellt hatte. Viel schlimmer. Später würde er sagen, dass es das Schlimmste war, was er je gesehen hatte. Und er hatte weiß Gott schon eine Menge gesehen.“

Ein altes Bauernpaar ist auf seinem Hof in der Nähe von Ystad ermordet worden. Nicht nur das Motiv der Tat liegt völlig im Dunkeln, vor allem deren furchtbare Brutalität irritiert die ermittelnden Polizisten um Kurt Wallander. Und dann hatte die alte Bäuerin, kurz bevor sie im Krankenhaus starb, den Beamten einen letzten, seltsamen Hinweis gegeben …

Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag, überarbeitete Neuausgabe, April 1999, München (Originalausgabe in Schweden: 1991 bei Ordfront Verlag, Stockholm) | Seitenzahl: 334 | Originaltitel: Mördare utan ansikte

Meinung

Das Buch „Mörder ohne Gesicht“ hat mich von der ersten Seite an gefesselt. Binnen 1 1/2 Wochen hatte ich es ausgelesen. Es beginnt sehr spannend, mitten im verbrecherischen Geschehen, und behandelt einen sehr brutalen Doppelmord, der die Ermittler in einige südschwedische Asylantenheime führt. Nach den Anfangsvermutungen aus den ersten Kapiteln soll es sich bei den Mördern wohl um Ausländer handeln. Das gibt natürlich einen riesigen Eklat im Land, der jede Menge Diskussionen, Anschuldigungen, Vorurteile und sogar Anschläge auf Asylsuchende nach sich zieht.

Der schwedische Schriftsteller Henning Mankell verarbeitete in seinen Krimi-Romanen sehr gern Themen, die in der schwedischen Gesellschaft als problematisch gelten. Er selbst gab einmal von sich, dass es schon sein frühes Ziel war, die „Gesellschaft zu demaskieren“.

Am meisten erstaunte mich die Aktualität der Konflikte, die sich um die Asylpolitik Schwedens drehten. Gerade in der heutigen Zeit ist dieses Thema mehr als relevant in Europa. Das Buch erschien in Schweden bereits vor 27 Jahren und ich habe das Gefühl, dass es auch im Jahr 2018 hätte geschrieben werden können.

Ich habe immer wieder Mitleid mit der Figur Kurt Wallander, sowohl in den Büchern, als auch in den Filmen. Der alternde Polizist steht in diesem Buch kurz vor der Scheidung, lebt gefühlt nur, um zu arbeiten und hat ein eher schlechtes Verhältnis zu seiner Tochter Linda. Er selbst bezeichnet sein Leben als verkorkst, trinkt viel hochprozentigen Alkohol und schläft sehr schlecht. Wallander führt alles in allem ein sehr ungesundes Leben, was in der Handlung auch immer wieder deutlich wird. Sein Vorhaben, sich gesünder zu ernähren, wird durch alle Kapitel hinweg nie in die Tat umgesetzt. Zu allem Überfluss erleidet sein Vater immer mal wieder erschütternde Demenzanfälle, um die er sich neben den schwierigen Ermittlungen auch noch kümmern muss. Dabei stößt er auf keinerlei Verständnis bei seinem Vater, welcher sich zudem nie damit abfinden konnte, dass sich Kurt einst für den Beruf des Polizisten entschieden hat. Man hat als Leser das Gefühl, dass der Vater seinen Sohn 1. nicht wirklich ernst nimmt und 2. dennoch verärgert darüber ist, dass Kurt Wallander sich zu wenig mit ihm beschäftigt.

Die Handlung ist sehr spannend aufgebaut, sodass es mir mit zunehmenden Kapiteln schwerer fiel, das Werk zur Seite zu legen. Ich war ganz gierig darauf, endlich zu erfahren, wer den brutalen Doppelmord begangen hatte. Zum Schluss wird zwar der Fall gelöst, doch der Leser bleibt aufgrund anderer tragischer Umstände mit einem nur halb zufriedenstellenden Gefühl zurück, was meiner Meinung nach jedoch Henning Mankells Absicht war.