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Kategorie: Bücher

Colette Victor „Der Tag, an dem die Hummer schwimmen lernten“

Colette Victor „Der Tag, an dem die Hummer schwimmen lernten“

Ich mag es, in Buchläden herumzustöbern und kann nur schwer an einem vorübergehen, ohne einen Blick hineinzuwerfen. Ob ich nun ein bestimmtes Buch suche oder auch nicht. Es geht nicht anders. Es macht mich ganz neugierig zu sehen, welche Bücher in den Auslagen liegen oder welche es derzeit in die Bestsellerlisten geschafft haben. Besonders gern schaue ich mir aber die Wühltische – liebevoll auch Grabbeltische genannt – an, die häufig Mängelexemplare aus allen Genres beherbergen. Dort lasse ich mich gern von neuen Autoren und ausgefallenen Geschichten überraschen, wie auch von diesem herzerwärmenden Buch, das in Südafrika spielt und vom Schicksal, der Liebe und den kleinen Glücksmomenten im Leben handelt. Es bespricht außerdem die Konflikte der südafrikanischen Bevölkerung zwischen Schwarzen und Weißen und regt zum Nachdenken an.

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Einband

Wie ein kleiner Ort die große Liebe findet.

Es bringt den ganzen Ort in Aufruhr: ein Aquarium voller Hummer, das urplötzlich im Lebensmittelladen von Klippiesfontein, Südafrika, steht. Alle beäugen gebannt die faszinierenden Krustentiere. Dabei will der Ladenbesitzer Oom Marius eigentlich nur seine Angebetete beeindrucken, indem er die Haute Cuisine nach Klippiesfontein holt. Aber auch das Schicksal hält die ein oder andere Überraschung parat. Auf einmal steht der ganze Ort Kopf. Doch es gibt Hoffnung – und die hat mit viel Liebe und ein paar Hummern zu tun.

Verlag: btb Verlag, München, 1. Auflage, Deutsche Erstveröffentlichung (August 2016) | Seitenzahl: 318 | Originaltitel: What to do with lobsters in a place like Klippiesfontein

Meinung

Als ich das Buch „Der Tag, an dem die Hummer schwimmen lernen“ in den Händen hielt, sprach mich zuallererst sein Titel sowie sein floral verziertes Cover in grün-lila Tönen an. Sogar ein gezeichneter, roter Hummer war darauf abgebildet. Auf dem Einband las ich dann, dass es in Südafrika spielt. Ich bin bisher leider nie dort gewesen, doch Bücher sind bekannt dafür, dass man mit ihnen in fremde Welten eintauchen kann. Sich verzaubern lassen kann von Völkerstämmen, Sprachen und Charakteren, denen man im eigenen Leben vielleicht nicht sehr oft begegnet. Ich war also neugierig und packte das Buch in meine Einkaufstasche. Das war eine gute Wahl!

Das Werk handelt von der kleinen Provinz Klippiesfontein, in dem ein weißer Gemischtwarenhändler namens Marius seinen Laden schließen muss, da seine Ehefrau an Krebs erkrankt ist und er sie zur Therapie in ein Krankenhaus in Kapstadt begleiten möchte. Für die Zeit seiner Abwesenheit überträgt er seinem seit über 20 Jahren für ihn arbeitenden Aushilfen Petrus alle wichtigen Aufgaben im Geschäft, damit er keinen finanziellen Verlust macht: dazu zählen Warenbestandsaufnahmen machen, Verfallsdaten verderblicher Lebensmittel kontrollieren, Geldgeschäfte mit den Kunden abwickeln, Bestellungen anmelden und später die Waren vom Lieferanten entgegennehmen, Wechselgeld zählen, alle Räumlichkeiten putzen und vieles mehr. Das einzige Problem an der ganzen Sache: Petrus ist schwarz. Das bringt die weiße Bevölkerung von Klippiesfontein auf die Barrikaden und sie besetzen den Haupteingang des Geschäftes. Im Laufe der Handlung kommt es auch zu Beleidigungen und zahlreichen Handlungen, die auf Vorurteilen gegenüber Schwarzen beruhen. Als Petrus aus der Not heraus sogar zum Geschäftsführer ernannt wird, platzt im Ort die Bombe und es kommt sogar zu tätlichen Angriffen mit Körperverletzung. Immer wieder empfand ich als Leser erhebliches Mitleid mit den Schwarzen und im Umkehrschluss auch mit allen anderen kulturellen Minderheiten dieser Welt. All diese Konflikte regen beim Lesen zum Nachdenken und schlussendlich zu selbstkritischem Denken, was Rassismus, Intoleranz, verschiedene Kulturvölker und deren Daseinsberechtigung angeht. Und auch vier Hummer spielen immer wieder eine zauberhafte Nebenrolle, die dem Buch sogar seinen Titel gaben.

Die Autorin verwendet im Buch sehr viele Begriffe und Floskeln aus der Sprache Afrikaans, die sie auch meistens gleich mit in der Handlung übersetzt, was ich als nicht kolonial-niederländisch sprechender Leser sehr spannend fand. Zum Beispiel Ouma für „Oma“, Wat sê jy daar, Dominie? für „Was sagst du da, Herr?“, Kaffer als Schimpfwort für einen Schwarzen, Goeie môre! für „Guten Morgen!“, My liebe God! für „Mein lieber Gott!“, Jou bliksem! für „Du Schuft!“, lappie für „Tuch“, Baas oder Oom oder Missies für die höfliche Anrede von Weißen, das zwergenhafte, böse Fabelwesen tokoloshe, brandewyn für „Branntwein“, veldskoene für „Kniestrümpfe“, Goeie dag! für „Guten Tag!“, Asseblief! für ein flehendes „Bitte!“, einen babbelas ausschlafen für einen „Kater“ ausschlafen, die Haartracht Skull Plaits, isidenge für „Idiot“, Gaan huis toe! für „Geh nachhause!“ oder auch sokkie für einen Tanzabend. Auf der Website Glosbe habe ich bei meiner Recherche ein sehr brauchbares Online-Lexikon für Afrikaans-Deutsch gefunden.

Doch auch etliche kulinarische Begrifflichkeiten finden im Buch Erwähnung, die mein Foodbloggerherz ansprechen, da es sich um typisch afrikanische Speisen handelt. So zum Beispiel pap für einen Brei aus Maismehl, Hinweise auf warme Gerichte wie gedünstete Süßkartoffeln, gelber Reis mit Rosinen, glasierter Rote-Bete-Salat, saftige Lammpasteten, Perlhuhn- oder Hühnchenpasteten, das gute, alte Emaille-Geschirr in der Küche, gebackener Cape-Brandy-Pudding, selbstgemachte, dampfende Vanillesoße, vetkoek für „Krapfen“, Wassermelonenmarmelade, Ochsenschwanz, Hühnerleber, Lammkoteletts, biltong für „Trockenfleisch“ und den berühmten Hummer-Thermidor (eine Hummersuppe).

Im Buch gibt es auch zahlreiche religiöse Referenzen. Die Hauptfiguren sind alle gläubig, besuchen regelmäßig die Kirche und sprechen sowie beten zu Gott. Als spezifische Kirchen werden immer wieder die Zionist Christian Church (Z.C.C.) und die Niederländisch-reformierte Kirche (NGK, calvinistisch geprägt) genannt. Auch die Afrikaaner-Widerstandsbewegung (AWB) wird häufiger zum Thema gemacht. Das fand ich persönlich recht spannend.

Das Buch war für mich sehr lehrreich und die Handlung wurde von liebenswerten Charakteren getragen, mit denen ich sehr viel Menschlichkeit und Mitgefühl empfand. Und vor allem spielte auch die Liebe und das kleine Glück im Leben eine sehr tragende Rolle. Ich kann das Buch nur empfehlen!

Jamie Mason „In guten wie in bösen Tagen“

Jamie Mason „In guten wie in bösen Tagen“

Erst vor ein paar Tagen habe ich das Buch „In guten wie in bösen Tagen“ von der US-amerikanischen Schriftstellerin Jamie Mason ausgelesen. Heute möchte ich es kurz rezensieren bevor ich es an einen anderen interessierten Leser weitergebe. Sehr gern nutze ich dafür eine der zahlreichen „Bücherboxen“, die man mittlerweile in nahezu jeder größeren Stadt zu Hauf findet – in umgebauten Telefonzellen, alten Regalen oder Schränken vor Wohnblöcken, in nicht mehr genutzten Briefkästen oder auch umfunktionierten Baumkonstruktionen. Eine übersichtliche Karte mit eingezeichneten „Bücherschränken“ in ganz Deutschland findet man z.B. auf der Website lesestunden (auch als App verfügbar). Ich finde das eine sehr feine Sache und nehme mir auch hin und wieder mal ein Buch zum Lesen mit nachhause. Es ist ein gesellschaftliches Geben und Nehmen im öffentlichen Raum und sorgt dafür, dass wertvolle Bücher nicht einfach weggeworfen werden, sondern im nächsten Haushalt landen, um erneut konsumiert zu werden.

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Einband

„Ist er dein bester Freund oder dein ärgster Feind?“

Endlich ist Dee glücklich. Nachdem Sie eine sehr ungewöhnliche und gefahrenvolle Kindheit erleben musste, träumte sie schon immer von einem ganz normalen, unauffälligen Leben. Mit ihrem Mann Patrick wohnt Dee nun in einem netten Häuschen in ruhiger Nachbarschaft – genauso, wie sie es immer wollte. Doch eines Tages beginnt die Fassade dieses friedvollen Lebens zu bröckeln: Immer öfter fühlt Dee sich beobachtet und verfolgt. Patrick scheint sich immer mehr von ihr zu entfremden – und Dee beschleicht das beklemmende Gefühl, dass er etwas vor ihr verheimlicht. Holen die Geister ihrer Vergangenheit Dee nun doch wieder ein? Gegen ihren eigentlichen Willen geht Dee ihrem Verdacht nach. Und schon bald ahnt sie: Patrick plant ein neues Leben. Ein Leben ohne sie. Um jeden Preis …

„Eindringlich erzählt, raffiniert konstruiert und wunderschön geschrieben – dieser Roman zieht einen sofort in seinen Bann. Großartig!“ (Library Journal)

„Spannend und sprachgewaltig – ein höchst fesselnder Roman.“ (Tana French)

Verlag: Bastei Lübbe Taschenbuch, deutsche Erstausgabe, Köln, 2016 | Originaltitel: „Monday’s Lie“ | Seitenzahl: 316

Meinung

Bei diesem Buch handelt es sich um einen Psychothriller. Die Autorin hat dabei einen zumeist spannenden Schreibstil. Ich mochte ihre kluge Sprache und ausgeklügelten Redewendungen. Aus psychologisch-emotionaler Sicht fand ich die Handlung beeindruckend. Sie hat mich emotional sehr berührt und es taten sich immer wieder einzelne Spannungsbögen auf, deren potentieller Ausgang einen neugierig machte. Die Protagonistin bewegt sich zwischen einem scheinbar normalen Leben, auf das die Autorin immer wieder dunkle, unklare Schatten wirft. Dabei geht es besonders um Eheprobleme und eine schwierige Kindheit, aber auch um Geheimnisse, Vertrauen und Verrat, menschliche Enttäuschungen und Überraschungen, das Erwachsenwerden in einem mütterlichen Umfeld voller Ungereimtheiten, Verlust, Intelligenz, aufmerksames Beobachten, Spionage und die Welt der Geheimagenten.

Streckenweise empfand ich die Story als sehr geheimnisvoll, dagegen an anderen Stellen wiederum ungenau, beinahe zu verschwiegen und sogar leicht langatmig. Im letzten Drittel verdichteten sich schließlich all die Probleme und als Leser konnte ich das Buch dann kaum noch aus der Hand legen, weil ich unbedingt wissen wollte, was mit Dee passiert und ob es noch Tote geben würde. Es schloss mit einem actionreichen Showdown ab, der jedoch größtenteils absehbar war. Das Buch war also ein kleines Auf und Ab.

Einige der behandelten Themen (v.a. die Lügen und Brüche in Dees Ehe, Appelle an die eigene alltägliche Aufmerksamkeit oder auch die psychologisch ausgeklügelte Vorgehensweise der Protagonistin) haben mich fasziniert und zum Nachdenken angeregt. Dee wirkt sehr abgeklärt, emotional strukturiert und klug. Manchmal fragte ich mich, ob ich bei all den persönlichen Rückschlagen der Hauptfigur ähnlich gehandelt oder schon längst das Handtuch geworfen hätte. Das war interessant und bereichernd zugleich.

Alles in allem war das Werk spannend, informativ, lehrreich auch für das eigene Leben, aber nicht vom ersten bis zum letzten Kapitel durchgängig fesselnd, wie ich es nach Durchlesen des Buchklappentextes erhofft hatte.

Mary Kay Andrews „Winterfunkeln“

Mary Kay Andrews „Winterfunkeln“

Von Oktober über die Vorweihnachtszeit, Weihnachten, Neujahr bis in den späten Januar hinein hatte ich wieder auf einem AIDA Kreuzfahrtschiff – diesmal im Indischen Ozean – gearbeitet und mich hin und wieder in der bordeigenen Bibliothek an interessanten und spannenden Büchern bedient. Über die Festtage musste leichte Kost her, etwas zum Schwelgen, Schmunzeln und Entspannen. Das Buch „Winterfunkeln“ von der US-amerikanischen Schriftstellerin Mary Kay Andrews bot für mich genau den richtigen Stoff. Es passt sowohl zu Weihnachten, als auch in den Winter mit all seinem Zauber!

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Einband

„Das Buch für die romantischste Jahreszeit!“

Eloise Foley liebt die Weihnachtszeit von ganzem Herzen. Dieses Jahr soll es besonders schön werden, denn ihr Traummann Daniel will sie ausgerechnet am 24. Dezember vor den Altar führen. Die Antiquitätenhändlerin ist überglücklich. Doch als der große Tag näher rückt, ist an Besinnlichkeit nicht mehr zu denken: Das Brautkleid – passt nicht. Die Trauzeugin – steht kurz vor der Entbindung. Der Zukünftige – wird mit einer heißen Italienierin in New York gesehen. Wird es an Weihnachten nun doch nicht das lang ersehnte Fest der Liebe geben?

„Große Gefühle und der Zauber von Weihnachten liegen in der Luft.“

Verlag: FISCHER Taschenbuch, Frankfurt am Main, 4. Auflage (Dezember 2014) | Seitenzahl: 283

Meinung

Das Buch „Winterfunkeln“ ist leichte Kost und passt ideal zu warmen Winterabenden mit heißem Tee und einer Wolldecke. Hin und wieder etwas kitschig und nicht immer sehr tiefgründig, aber unterhaltsam und witzig geschrieben. Die Antiquitätenhändlerin Eloise hat sehr viel für die Weihnachtszeit übrig und plant deshalb auch ihre Hochzeit am Weihnachtstag. Sie verbringt zwischendrin ein paar Tage inmitten des Weihnachtstrubels in der Großstadt New York (um ihren „Bald-„Ehemann Daniel zu sehen), in der allerhand schief geht. Etwas turbulent, doch für mich amüsant, zu lesen.

Sie ist immer auf der Suche nach alten Schätzen für ihr eigenes Antiquitätengeschäft in Savannah oder manchmal auch für ihren privaten Besitz. So erfreut sie sich einmal an hübschem, uraltem Geschirr oder ein anderes mal an verstaubtem, fast vergessenem Weihnachtsschmuck. Ich mochte ihren Geschmack nach alten, aber doch schönen Dingen und ihre Bescheidenheit, New York zwar eindrucksvoll zu finden, sich jedoch in ländlicher Gegend ein gemütliches Leben mit Daniel auszusuchen und aufzubauen.

Sie ist kein anstrengender Charakter und wirkte auf mich als Leser sympathisch und liebenswürdig. Das Buch las sich in einem Ritt zügig weg. Das einzig Ungewöhnliche dabei war die Tatsache, dass die Erzählperspektive stetig wechselte. Der „Ich“-Erzähler war mal Eloise und mal ihre beste Freundin Bebe. Einen solchen Schreibstil hatte ich zuvor noch in keinem Buch gelesen und ich musste mich erst daran gewöhnen. Es war jedoch beim Lesen keinesfalls hinderlich.

Das Buch ist übrigens die Fortsetzung des Titels „Weihnachtsglitzern“. Wer das nicht gelesen hat, kein Problem, es ist für das Verständnis nicht notwendig. Ich hatte es zuvor auch nicht gelesen.

„Winterfunkeln“ hatte genau die weihnachtliche Leichtigkeit mit liebenswerten, fast schrulligen Hauptcharakteren, die ich mir für die besinnliche Adventszeit gewünscht hatte.