Elli H. Radinger “Minnesota Winter – Eine Liebe in der Wildnis”

Heute möchte ich euch endlich wieder ein Buch vorstellen, welches ich in diesem Winter gelesen habe: Minnesota Winter – Eine Liebe in der Wildnis. Meine Oma hat es mir weitergeschenkt. Die autobiographische Geschichte spielt im US-amerikanischen Minnesota, in dessen Nähe ich selbst einmal gelebt habe. Inmitten eines der Natur überlassenen Wolfsreviers lebt eine Deutsche zusammen mit ihrem amerikanischen Freund in einer Blockhütte. Vor vielen Jahren war ich als Austauschschülerin im Mittleren Westen der USA, genauer gesagt verbrachte ich meine Zeit in dem Dreieck auf der Landkarte, in dem sich Süd Dakota, Minnesota und Iowa treffen. Eine wunderbare Zeit, die schon viel zu lang vorbei ist. Umso schöner, dass meine Oma an mich gedacht hat und mir dieses Buch gab. So konnte ich nochmal eintauchen in diese hübsche Naturlandschaft. Die Geschichte handelt von viel Natur, Wölfen, Einsamkeit, Liebe und zwei menschlichen Weltanschauungen, die kaum miteinander vereinbar sind.

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Einband

Der Aussteiger Greg Howard ist die Erfüllung ihres Traums vom Leben in der Einsamkeit mitten unter wilden Tieren. Kurz entschlossen bricht Elli Radinger alle Brücken zu ihrer Heimat ab und zieht an einen Ort, der auf keiner Landkarte verzeichnet ist, zu einem Mann, den sie kaum kennt. Sie lebt mit ihm in einer Blockhütte im Revier von Wölfen und Bären und stürzt sich in ein Abenteuer, die sie an ihre Grenzen bringt, körperlich und emotional. Was sie erlebt, übertrifft all ihre Erwartungen – und Befürchtungen.

Verlag: Aufbau Verlag GmbH & Co. KG, Berlin 2015 (Originalausgabe erschien 2013) | Seitenzahl: 300

Meinung

Das Buch wurde von Elli H. Radinger verfasst, eine Deutsche (aus Hessen), die als Fachjournalistin und Buchautorin arbeitet. Sie hat sich auf das Thema Wölfe spezialisiert und gründete im Jahr 1991 die Gesellschaft zum Schutz der Wölfe. Außerdem ist sie seit 1991 Herausgeberin vom Wolf Magazin. Sie schrieb in “Minnesota Winter” ihre Erfahrungen nieder, die sie während ihrer Beziehung zu dem Amerikaner Greg Howard erlebte. Greg ist Aussteiger und hat der Zivilisation mit all seinen Fortschritten wie Elektrik oder Konsum abgeschworen. Er versucht seit knapp 14 Jahren so zu leben wie seine Vorfahren und ließ sich in den Weiten des US-Bundesstaates Minnesota nieder. Elli zieht Hals über Kopf zu ihm in die Wildnis und stellt sich den harten Bedingungen dieses Einsiedlerlebens, wie z.B. täglich Wasser holen aus dem umliegenden zugefrorenen See, Eis schmelzen, Fische fangen und ausnehmen, keinen Ort in der Cabin zu finden für ungestörte Körperwäsche und -pflege, eisige Kälte, Fortbewegung im tiefen Schnee und die kilometerweite Beförderung von Einkäufen mit dem Schlitten, dem Skifahren und Schneeschuhlaufen lernen und allen voran den Eigenheiten von Greg, der mir oft ungerecht, engstirnig und dickköpfig vorkam. Immer wieder streiten die beiden im Buch, weil sie unterschiedliche Weltanschauungen haben. Er will keine Kinder und hasst Hunde, was Elli das Herz bricht, da sie gern ihre geliebte Labradorhündin Lady mit in die USA nehmen möchte, die währenddessen von ihren Eltern in Deutschland betreut wird. Hunde lehnt Greg jedoch kategorisch ab.

Als Leser fragte ich mich sehr häufig, weshalb die Autorin sich so einer schweren Aufgabe überhaupt stellt und all ihre Prinzipien über den Haufen wirft für einen Mann, der sich nicht wirklich für ihre Welt zu interessieren scheint. Er weigert sich, mit ihr einen Urlaub in Deutschland zu machen und ihre Familie kennenzulernen. Er erachtet es als selbstverständlich, dass sie die lange und teure Flugzeugreise zwischen Deutschland und den USA ein- bis zweimal im Jahr hin- und herpendelt. Sie gibt nahezu all ihre Ersparnisse aus, um ihrem Freund gerecht zu werden und vergießt im Laufe des Buches viele Tränen, weil sie an ihre emotionalen wie auch körperlichen Grenzen kommt. Greg beteiligt sich finanziell nicht an ihren Reisen und macht ihr immer wieder Vorwürfe, wenn sie Geld für – in seinen Augen unwichtige – Dinge wie Kaffee oder Internet (Elli schreibt ihre Artikel in der Cabin, um weiter Geld zu verdienen) ausgibt. Er lebt eine Doppelmoral. Als Erklärung für ihr langes Durchhalten nennt Elli immer wieder ihren jahrelang gehegten Wunsch vom autarken Leben in einer Cabin im Wald. So stark war ihr Drang, sich diesen Traum zu erfüllen, dass sie diese Art von Leben lang genug ertragen hat. Bestimmt gab es zwischendrin auch das ein oder andere Erlebnis, das unwiederbringlich und besonders für sie war, wie beispielsweise ihre Begegnung mit Wölfen im Wald, Sterne und Sternschnuppen beobachten, die unzähligen Kanutouren oder das Erlernen, wie man ein Kanu baut.

Ich bewundere die Autorin für ihr Durchhaltevermögen und glaube, dass es nach einer solch deprimierenden Erfahrung auch immer viel Positives zu finden gibt, das man für sich und sein eigenes Leben mitnehmen kann. Sie hat sich, zumindest zeitweise, einen Lebenstraum erfüllt und das kann man ihr nicht vorwerfen. Aus Fehlern lernt man. Das Buch war spannend geschrieben und hat mich zugleich gut unterhalten.

2 responses to “Elli H. Radinger “Minnesota Winter – Eine Liebe in der Wildnis”

  1. Interessantes Buch, das mir bislang unbekannt war. Und du trägst einen ganz tollen Nagellack! :-)

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Herzlich Willkommen!

Ich bin eine junge Thüringerin mit Wurzeln im italienischen Mittelmeerraum.

Auf meinem Blog dreht sich alles um die Liebe zur Küche. Weil ich aber seit April 2014 als Redakteurin auf den Kreuzfahrtschiffen von AIDA arbeite, schreibe ich zeitweise auch Reiseberichte von unterwegs, in welche die kulinarischen Genüsse fremder Kulturen ebenso münden.

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