Jamie Mason „In guten wie in bösen Tagen“

Jamie Mason „In guten wie in bösen Tagen“

Erst vor ein paar Tagen habe ich das Buch „In guten wie in bösen Tagen“ von der US-amerikanischen Schriftstellerin Jamie Mason ausgelesen. Heute möchte ich es kurz rezensieren bevor ich es an einen anderen interessierten Leser weitergebe. Sehr gern nutze ich dafür eine der zahlreichen „Bücherboxen“, die man mittlerweile in nahezu jeder größeren Stadt zu Hauf findet – in umgebauten Telefonzellen, alten Regalen oder Schränken vor Wohnblöcken, in nicht mehr genutzten Briefkästen oder auch umfunktionierten Baumkonstruktionen. Eine übersichtliche Karte mit eingezeichneten „Bücherschränken“ in ganz Deutschland findet man z.B. auf der Website lesestunden (auch als App verfügbar). Ich finde das eine sehr feine Sache und nehme mir auch hin und wieder mal ein Buch zum Lesen mit nachhause. Es ist ein gesellschaftliches Geben und Nehmen im öffentlichen Raum und sorgt dafür, dass wertvolle Bücher nicht einfach weggeworfen werden, sondern im nächsten Haushalt landen, um erneut konsumiert zu werden.

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Einband

„Ist er dein bester Freund oder dein ärgster Feind?“

Endlich ist Dee glücklich. Nachdem Sie eine sehr ungewöhnliche und gefahrenvolle Kindheit erleben musste, träumte sie schon immer von einem ganz normalen, unauffälligen Leben. Mit ihrem Mann Patrick wohnt Dee nun in einem netten Häuschen in ruhiger Nachbarschaft – genauso, wie sie es immer wollte. Doch eines Tages beginnt die Fassade dieses friedvollen Lebens zu bröckeln: Immer öfter fühlt Dee sich beobachtet und verfolgt. Patrick scheint sich immer mehr von ihr zu entfremden – und Dee beschleicht das beklemmende Gefühl, dass er etwas vor ihr verheimlicht. Holen die Geister ihrer Vergangenheit Dee nun doch wieder ein? Gegen ihren eigentlichen Willen geht Dee ihrem Verdacht nach. Und schon bald ahnt sie: Patrick plant ein neues Leben. Ein Leben ohne sie. Um jeden Preis …

„Eindringlich erzählt, raffiniert konstruiert und wunderschön geschrieben – dieser Roman zieht einen sofort in seinen Bann. Großartig!“ (Library Journal)

„Spannend und sprachgewaltig – ein höchst fesselnder Roman.“ (Tana French)

Verlag: Bastei Lübbe Taschenbuch, deutsche Erstausgabe, Köln, 2016 | Originaltitel: „Monday’s Lie“ | Seitenzahl: 316

Meinung

Bei diesem Buch handelt es sich um einen Psychothriller. Die Autorin hat dabei einen zumeist spannenden Schreibstil. Ich mochte ihre kluge Sprache und ausgeklügelten Redewendungen. Aus psychologisch-emotionaler Sicht fand ich die Handlung beeindruckend. Sie hat mich emotional sehr berührt und es taten sich immer wieder einzelne Spannungsbögen auf, deren potentieller Ausgang einen neugierig machte. Die Protagonistin bewegt sich zwischen einem scheinbar normalen Leben, auf das die Autorin immer wieder dunkle, unklare Schatten wirft. Dabei geht es besonders um Eheprobleme und eine schwierige Kindheit, aber auch um Geheimnisse, Vertrauen und Verrat, menschliche Enttäuschungen und Überraschungen, das Erwachsenwerden in einem mütterlichen Umfeld voller Ungereimtheiten, Verlust, Intelligenz, aufmerksames Beobachten, Spionage und die Welt der Geheimagenten.

Streckenweise empfand ich die Story als sehr geheimnisvoll, dagegen an anderen Stellen wiederum ungenau, beinahe zu verschwiegen und sogar leicht langatmig. Im letzten Drittel verdichteten sich schließlich all die Probleme und als Leser konnte ich das Buch dann kaum noch aus der Hand legen, weil ich unbedingt wissen wollte, was mit Dee passiert und ob es noch Tote geben würde. Es schloss mit einem actionreichen Showdown ab, der jedoch größtenteils absehbar war. Das Buch war also ein kleines Auf und Ab.

Einige der behandelten Themen (v.a. die Lügen und Brüche in Dees Ehe, Appelle an die eigene alltägliche Aufmerksamkeit oder auch die psychologisch ausgeklügelte Vorgehensweise der Protagonistin) haben mich fasziniert und zum Nachdenken angeregt. Dee wirkt sehr abgeklärt, emotional strukturiert und klug. Manchmal fragte ich mich, ob ich bei all den persönlichen Rückschlagen der Hauptfigur ähnlich gehandelt oder schon längst das Handtuch geworfen hätte. Das war interessant und bereichernd zugleich.

Alles in allem war das Werk spannend, informativ, lehrreich auch für das eigene Leben, aber nicht vom ersten bis zum letzten Kapitel durchgängig fesselnd, wie ich es nach Durchlesen des Buchklappentextes erhofft hatte.

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