Jane Campion / Kate Pullinger „Das Piano“

Jane Campion / Kate Pullinger „Das Piano“

Vor einer Weile fiel mir das Buch „Das Piano“ in die Hände, welches mich so in seinen Bann zog, dass ich es binnen eines verlängerten Wochenendes fertig durchgelesen hatte. Es spielt die meiste Zeit im fernen Neuseeland mit Rückbezügen nach Schottland. Die Geschichte ist gleichzeitig verzaubernd wie verstörend mit einem überraschenden Schluss. Es wird wohl eines meiner Favoriten bleiben.

Einband

Die junge Schotting Ada McGrath, streng viktorianisch erzogen, ist seit ihrer Kindheit stumm – nur über ihr Klavier verschafft sie sich Ausdruck. Zusammen mit ihrer unehelichen kleinen Tochter Flora schifft sie sich nach Neuseeland ein, denn dort erwartet sie Alisdair Stewart, den ihr Vater ihr zur Heirat vermittelt hat. Adas einziger Halt in der tropischen Fremde ist, neben ihrer Tochter, das Klavier – nur wenn sie spielt, ist sie eins mit sich selbst. Ihr neuer Ehemann jedoch verweigert sich, das Instrument durch den sumpfigen Dschungel nachhause zu schleppen – es bleibt am Strand. Ada sieht erst einen Lichtblick, als sie erfährt, dass Stewart das Klavier an George Baines veräußert hat. Baines, ebenfalls Einwanderer, ein Analphabet, der unter Eingeborenen lebt, ist fasziniert von der schönen, jungen Frau. Er schlägt ihr einen Handel vor: Sie soll für ihn spielen und so, Stunde um Stunde, Taste um Taste, ihr Instrument zurückgewinnen. Ada willigt ein – und schon nach kurzer Zeit verfällt der sanfte Wilde ihr in heftiger Leidenschaft.

In der Wildnis Neuseelands beginnt die Affäre der stummen Ada McGrath mit dem Einwohner Baines … DAS PIANO: Leidenschaftliche Liaison und zugleich Reise in die Untiefen unserer Zivilisation, wo keine moralischen Gesetze mehr gelten und die Macht der Sexualität dominiert. Jane Campion hat mit diesem Roman die Arbeit an ihrem großen Film vollendet und erweitert, denn hier erzählt sie auch Adas Vorgeschichte: Welches Trauma hat ihre Stummheit verursacht, und wer war der Vater ihrer Tochter Flora? Eine ungewöhnliche, poetisch-sinnliche Liebesgeschichte. Das Buch zum Film.

Verlag Deutsche Ausgabe: R. Piper GmbH & Co. KG, München, 1994 (Original erschien bei Hyperion, New York, 1994) | Seitenzahl: 233 | Originaltitel: The Piano

Meinung

Der Roman „Das Piano“ fällt in das Genre Liebesdrama und hat ebenfalls etwas Abenteuerliches. Die stumme Hauptfigur Ada McGrath hat aus einer früheren Liebelei mit ihrem ehemaligen Klavierlehrer eine uneheliche Tochter namens Flora, die zugleich als ihre beste Freundin fungiert. Die Geschichte spielt in einer Zeit (Mitte des 19. Jahrhunderts), in der man mit Kind und ohne Trauring dem Gespött der Leute ausgesetzt ist. Um diesem Dilemma eine Ende zu setzen und Ada finanzielle Sicherheit zu geben, verheiratet ihr Vater sie mit dem in Neuseeland lebenden Briten Alistair Stewart. Ada zieht mit samt Hausrat, Kind und ihrem Piano per Schiff auf einer monatelangen Reise voller Entbehrungen nach Neuseeland. Ihr neuer Mann gibt sich alle Mühe mit Ada, tritt jedoch steif und pedantisch auf und zu seinem Leidwesen hat Ada nicht viel für ihn übrig. Sie fühlt sich wie eine Fremde in dieser Welt und der damals noch zu England gehörenden Kolonie. Schließlich lernt sie über einen Deal, um ihr Klavier zu behalten (welches ihr Mann Alistair Stewart nicht im Haus haben möchte und sogar gegen Land eingetauscht hatte), den Einwanderer George Baines kennen. Das Verhältnis zwischen beiden erschien mir zu Beginn äußerst seltsam. Im Einband laß ich etwas von „heftiger Leidenschaft“ und „leidenschaftlicher Liaison“. Das klang für mich zunächst nach einer Romanze im beiderseitigen Einverständnis, jedoch fühlt Ada sich anfangs stark unter Druck gesetzt und in meinen Augen ebenfalls sexuell genötigt. Das war etwas befremdlich. Jedoch wächst im Laufe der Geschichte Adas Interesse an Baines, da dieser sich stark zu ihr hingezogen fühlt und an sie glaubt. Im letzten Drittel des Buches kommt es zu einer überraschenden Wendung im Buch. Die Liebelei zwischen Ada und Baines nimmt einen sehr verhängnisvollen Lauf, weil Alistair Stewart hinter das Verhältnis kommt und sich rächt.

Die Geschichte verbindet Liebe, Leidenschaft, Sinnlichkeit, Eifersucht, Macht und Dominanz. Die Charaktere der einzelnen Figuren haben mich sehr berührt, weil man sich gut in sie hinein versetzen kann. Die Vorstellung, sich für ein stummes Leben zu entscheiden (wie Ada dies bereits sehr früh getan hat, obwohl sie nicht stumm geboren wurde) weckte mein Interesse und erschreckte mich zugleich. Selbst in Lebenssituationen, in denen es hilfreich und notwendig gewesen wäre, die Stimme zu erheben, ließ Ada stumm an sich herüberziehen. Das war bemerkenswert. Das Ende kam für mich sehr überraschend und ich empfand es als positiv und erleichternd.

Das Buch „Das Piano“ folgte auf den gleichnamigen Film. Der Film war das Werk der neuseeländischen Regisseurin Jane Campion und ein großes Film-Ereignis im Jahr 1993. Er brachte drei Oscars in Los Angeles und die Goldene Palme in Cannes ein. Gemeinsam mit der britischen Autorin Kate Pullinger entstand schließlich der Roman.

Ich mochte das Buch sehr gern und es hat mich so gefesselt, dass ich nur ein paar wenige Tage brauchte, um es durchzulesen. Es spricht das Herz an und zählt nun zu meinen Favoriten. Den Film habe ich bisher leider noch nicht gesehen, aber ich hoffe, dass ich irgendwann noch die Gelegenheit dazu bekomme.

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